Ist mein Haus (Altbau) für eine Wärmepumpe geeignet?
Kurzantwort: Ein Altbau kann sehr gut mit Wärmepumpe funktionieren – entscheidend sind Heizlast/Wärmebedarf, die benötigte Vorlauftemperatur und ob die Heizflächen bei niedrigen Temperaturen genug Leistung bringen.
Worauf es im Altbau wirklich ankommt
Für die Eignung ist weniger das Baujahr entscheidend, sondern ob Ihr Haus die benötigte Wärme bei möglichst niedriger Vorlauftemperatur in die Räume bekommt. Drei Prüfpunkte helfen:
- Heizlast/Wärmebedarf: Wie viel Leistung braucht das Gebäude an kalten Tagen?
- Vorlauftemperatur: Welche Temperatur ist real nötig, damit es überall warm wird?
- Heizflächen: Reichen Heizkörper/FBH bei niedriger Temperatur – oder braucht es Optimierung?
Wenn Sie strukturiert starten wollen: Nutzen Sie zuerst den Heizungs-Rechner als Plausibilisierung, prüfen Sie danach die Vorlauftemperatur in der Praxis und machen Sie den Heizkörper-Check.
Typische Stellschrauben im Bestand
Wenn die Vorlauftemperatur noch zu hoch ist, sind das oft die wirksamsten Hebel (in dieser Reihenfolge):
- Hydraulik/Abgleich und Ventileinstellungen.
- Heizkurve optimieren (nicht dauerhaft „zu hoch“ fahren).
- Heizkörper vergrößern/ergänzen (statt pauschal FBH).
- Bauliche Maßnahmen (Dämmung/Fenster/Luftdichtheit).
Schneller Eignungs-Check (30–60 Minuten)
Wenn Sie schnell ein Gefühl bekommen wollen, ob eine Wärmepumpe grundsätzlich passt, gehen Sie strukturiert vor – ohne sich in Details zu verlieren:
- Verbrauchsdaten sammeln und den Heizungs‑Rechner nutzen (Plausibilisierung von Wärmebedarf und Heizlast).
- Vorlauftemperatur prüfen: Welche Temperatur ist bei kaltem Wetter wirklich nötig?
- Heizkörper‑Check: Reicht der Bestand bei niedrigem Vorlauf, oder braucht es einzelne größere Heizkörper?
- Hydraulik/Regelung einschätzen (z. B. ungleich warme Räume → Abgleich).
- Jahresverbrauch (Gas/Öl/Fernwärme) und grobe Warmwasser-Nutzung
- Heizflächen: Heizkörper/FBH, Problemräume (werden nie warm?)
- aktuelles Heizsystem (wettergeführt? Nachtabsenkung?)
Fragen für Angebote (damit die Auslegung belastbar wird)
Gute Angebote erkennt man daran, dass Annahmen transparent sind. Diese Fragen bringen Struktur in Gespräche mit Fachbetrieben:
- Welche Heizlast wird angesetzt – und wie wurde sie hergeleitet (Daten/Norm/Verbrauch)?
- Mit welchen Auslegungstemperaturen wird gerechnet (Quelle & Vorlauf)?
- Wie wird Warmwasser gelöst (Speichergröße, Temperaturstrategie, Zirkulation)?
- Ist ein Pufferspeicher begründet – oder Standard?
- Welche Maßnahmen sind für niedrige Vorläufe geplant (Abgleich, Heizkurve, Heizkörper)?
Angebots-Check: Fragen an den Fachbetrieb
Wertige Angebote sind nicht „schön formuliert“, sondern machen Annahmen transparent. Diese Fragen helfen, Angebote belastbar zu vergleichen:
- Welche Vorlauftemperatur wird für die Auslegung angenommen – und wurde sie gemessen/abgeleitet?
- Welche Heizlast wird angesetzt (Gebäude gesamt) – und welche Räume sind kritisch?
- Welche Heizflächen-Maßnahmen sind geplant (welche Heizkörper konkret und warum)?
- Wie wird die Hydraulik umgesetzt (Abgleich, Volumenströme, Ventileinstellungen)?
- Wie wird Warmwasser gelöst (Speicher/Zirkulation) ohne unnötig hohe Temperaturen?
Heizlast/Wärmebedarf zuerst grob plausibilisieren (Heizungs‑Rechner) und dann die Effizienz-Auswirkung von Vorlauf/Quelle ansehen (WP‑Effizienz).
Praxisbeispiel: typische Situation und Vorgehen
- Erst Hydraulik/Abgleich prüfen (Durchfluss, Ventile), nicht pauschal Vorlauf erhöhen.
- Vorlauftemperatur testen und kritische Räume identifizieren.
- Gezielt wenige Heizkörper vergrößern statt Komplettumbau.
- Heizkörper-Check machen: reicht der Bestand bei niedrigem Vorlauf?
- Heizkurve sauber einstellen (stabil warm, nicht zu hoch).
- Effizienz über Vorlauf optimieren, nicht über „größeres Gerät“.