Wärmepumpe oder Gasheizung: Was ist langfristig günstiger?

Kurzantwort: Der Kostenvergleich hängt vor allem von Strom-/Gaspreisen, der realen Effizienz (Vorlauftemperatur/Wärmequelle) und der Investition ab – ohne diese drei Zahlen ist „günstiger“ meist nur Bauchgefühl.

Drei Faktoren entscheiden den Vergleich

Für eine grobe Einordnung reichen oft diese Fragen:

  • Wie hoch ist der Wärmebedarf? (nicht nur Gasverbrauch)
  • Welche Vorlauftemperatur ist nötig? (entscheidet COP/SCOP mit)
  • Welche Wärmequelle passt? (Luft/Erdreich/Wasser)

Startpunkt ist oft die Korrektur „Gasverbrauch ≠ Wärmebedarf“: Wärmeverbrauch vs. Gasverbrauch und Heizlast aus Gasverbrauch.

Temperaturen schlagen Prospektwerte

Prospektwerte wirken oft „zu gut“, weil sie an günstigen Betriebspunkten gelten. Für eine realistische Einordnung sehen Sie sich COP-Kennlinien nach Außentemperatur und Vorlauf an – z. B. im WP‑Effizienz‑Rechner.

So rechnen Sie grob (ohne Schönrechnen)

Für eine erste Plausibilisierung brauchen Sie keine perfekte Excel – aber eine saubere Logik:

  1. Wärmebedarf schätzen (nicht Gasverbrauch): Heizungs‑Rechner.
  2. Effizienz annehmen: abhängig von Vorlauf/Quelle. Nutzen Sie WP‑Effizienz, um ein Gefühl für COP/SCOP zu bekommen.
  3. Strombedarf grob ≈ Wärmebedarf / (realistische Effizienz). Dann mit Tarif/Preis bewerten und mit heutiger Gaslösung vergleichen.
Merksatz

Der größte Hebel ist fast immer die Vorlauftemperatur: Je niedriger, desto effizienter – und desto eher „gewinnt“ die Wärmepumpe im Vergleich.

Typische Denkfehler beim Vergleich

  • Gasverbrauch wird 1:1 als Wärmebedarf angenommen (Verluste/WW werden vergessen).
  • Prospekt‑COP wird als „Jahreswirkungsgrad“ missverstanden.
  • Vorlauftemperatur wird nicht geprüft – und damit die Effizienz überschätzt.
  • Warmwasser und Zirkulation werden unterschätzt (hohe Temperaturen drücken COP).

Angebots-Check: Fragen an den Fachbetrieb

Wertige Angebote sind nicht „schön formuliert“, sondern machen Annahmen transparent. Diese Fragen helfen, Angebote belastbar zu vergleichen:

  • Welche Heizlast wird angesetzt – und wie wurde sie hergeleitet (DIN/Verbrauch/Annahmen)?
  • Mit welchen Auslegungstemperaturen wird gerechnet (Quelle & Vorlauf) – und warum?
  • Wie ist das Warmwasser-Konzept (Speichergröße, Temperaturen, Zirkulation)?
  • Wie wird Taktung vermieden (Hydraulik, Regelung, Mindestleistung/Modulation)?
  • Was ist im Angebot enthalten – und was explizit nicht (Elektro, Fundament, Kernbohrung, Entsorgung)?
Schneller Gegencheck (ohne Excel)

Heizlast/Wärmebedarf zuerst grob plausibilisieren (Heizungs‑Rechner) und dann die Effizienz-Auswirkung von Vorlauf/Quelle ansehen (WP‑Effizienz).

Praxisbeispiel: typische Situation und Vorgehen

Sie haben nur wenig Daten (Gasrechnung vorhanden)
  • Wärmebedarf/Heizlast grob plausibilisieren (statt Faustformeln).
  • Vorlauftemperatur im Bestand testen (entscheidet Effizienz/Heizflächen).
  • Angebote anhand gleicher Annahmen vergleichen (Quelle/Vorlauf/Warmwasser).
Sie wollen Angebote schnell vergleichen
  • Heizlast + Auslegungstemperaturen explizit im Angebot verlangen.
  • Schall/Aufstellort und Elektroarbeiten als eigene Positionen prüfen.
  • Puffer/Sonderlösungen nur mit klarer Begründung akzeptieren.

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